Vereinfache das Leben! Steven Pinker, der Denker aus Kanada, will Frankfurt zum Optimismus bewegen

Vereinfache das Leben!

„Wir leben heute in der besten aller Welten“

Wer so etwas im Gespräch mit anderen behauptet, gerät schnell in Erklärungsnot und stößt auf Widerstand.

Die Initiative Wissen nahm an einer Buchlesung mit dem berühmten Autor Steven Pinker in Frankfurt am Main teil. Das Buch (mein Buchtipp des Jahres) ist:

„Aufklärung jetzt – für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt“ von Steven Pinker.

Über dreihundert interessierte Menschen kamen am 25. Oktober zu dieser Lesung in die Nationalbibliothek.

Die weltweit zur Verfügung stehenden Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Diese ist die beste aller Welten. Aber: Der Mensch ist geneigt, eher dem Pessimismus zuzustimmen; eine „gute“ Welt ist suspekt, das wollen uns auch die Medien täglich neu beweisen.

Warum ist das so? Und warum wird so viel Energie darauf verschwendet, das negative Gegenteil zu beweisen? In dem Buch von Pinker geht es nicht nur um intellektuelle Übungen, Meinungen oder Ansichten, sondern um „ZDF“ statt „ARD“, also „Zahlen, Daten, Fakten“ statt „Annehmen, Raten, Deuten“.

Der weltweit bekannte Professor von der Harvard University setzt zum Teil die Arbeit der Aufklärer Hans Rosling (Factfulness) oder Max Roser (Ourworld in data) fort und beweist anhand von Fakten in zwanzig Kapiteln, dass die Welt noch nie besser war als heute.

Die Zeitung „Die Zeit“ hatte den kanadischen „Star-Denker“ und Besucher nach Frankfurt eingeladen. Der Autor antwortete auf die Fragen der Interviewerin Elisabeth von Thadden, „ZEIT“und den Fragen des Publikums.

Dazu ein Zitat aus einem Bericht der FAZ: „Pinker, der sich nicht heftig genug über den verblendeten Irrsinn im Weißen Haus erregen kann, steht aber nun vor dem gleichen Problem wie Merkel: Die Menschen wollen den Fortschritt nicht wahrhaben. „Let’sgoto the data“, sagt er mit feinem Lächeln im großen Saal der Frankfurter Nationalbibliothek, wirft Graph um Graph an die Wand, und was darauf zu erkennen ist, kann selbst den schlimmsten Pessimisten zuversichtlicher stimmen: Die Zahl der Kriegsopfer, der tödlichen Krankheiten, der Kinderarmut ist im Laufe der Jahrhunderte im weltweiten Durchschnitt deutlich gesunken. Die Hausarbeit, eine der weltweit unbeliebtesten Tätigkeiten, ist im globalen Mittel von sechzig auf fünfzehn Stunden gesunken, so dass auch Berufstätige nicht weniger Zeit für ihre Kinder haben als früher. Im Gegenzug sind Alphabetismus, Sicherheit, Intelligenzquotient, um nur einige Beispiele zu nennen, deutlich gestiegen. Ein Feuerwerk der Evidenz nannte es die Moderatorin Elisabeth von Thadden von der „Zeit“, die sich mit ihm über sein neues Buch„Aufklärung jetzt“ unterhielt. Es ist mitreißend.

Erbarmungslos rechnet Pinker in seinem Buch auch mit der Politik von Donald Trump ab. Bei den Themen

–          Wohlstand

–          Leben und Gesundheit

–          Ungleichheit

–          Umwelt

–          Sicherheit

–          Frieden

–          Demokratie

–          Gleiche Rechte

–          Wissen und

–          Existenzbedrohung

entlarvt Pinker die „Lügen“ und die falsche Propaganda des US – Präsidenten. Denn die Zerrbilder über eine bedrohte „hoffnungslose Welt“, die unsere Medien zu neunzig Prozent darstellen, werden gerne als „Fake News“ für die Ziele von Politikern missbraucht.

Fazit: Die Angriffe aus bestimmten politischen Kreisen auf die Errungenschaften der Aufklärung der letzten 200 Jahre nehmen zu. Endlichkeitsdenken, Knappheitsideologie, Egoismus und „mefirst“ Mentalität sollen aus verschiedenen Gründen rekultiviert werden. Das Buch wird deshalb viele komplett verwirren, weil es sich doch so schön negativ weiterdenken lässt. Kein billiger Optimismusoder „positives Denken“ sondern Faktenkenntnis erlaubt es dem Leser des Buches zu verstehen und darauf hinzuweisen, dass der Fortschritt unaufhaltsam ist, denn „der Fortschritt nimmt der Menschheit die Fesseln ab“ (Mary Baker Eddy)

Weitere brillante Bücher von Steven Pinker:

„Denken – wie das Denken im Kopf entsteht“ und „Gewalt – eine neue Geschichte der Menschheit“.

Peter Grabandt – Redaktion Initiative Wissen
Quelle:http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/steven-pinker-will-frankfurt-zu-mehr-optimismus-bewegen-15858561.html