„USA – Quo vadis?“ Zwischenwahlen-Denkzettel für Trump?

Die Initiative Wissen wollte wissen, wie geht es weiter in den USA und war deshalb Teilnehmer der Podiumsdiskussion

„USA – Quo vadis?“ Zwischenwahlen-Denkzettel für Trump?

Mit diesem Titel fand am 8. Oktober in der Evangelischen Akademie in Tutzing eine Diskussion statt, die sich mit den „midterm elections“ und der Wiederwahl von Donald Trump im November in den USA beschäftigte. Auf dem Podium und mit den Gästen sprachen:

Dr. Josef Braml, Senior Fellow des Programms “USA/Atlantische Beziehungen“ bei der DGAP

Stefan Kornelius, Journalist, Leiter des außenpolitischen Ressorts bei der SZ

Moderation: Professor Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing

 

„Um zu zerstören braucht man keinen Bauplan“, deshalb rätseln und suchen weltweit Kritiker und Fachleute vergeblich nach dem angeblichen „Plan“ von Donald Trump. Jedoch: Disruption, Dekonstruktion und Verwirrung stiften sind die einzigen erkennbaren Prinzipien, der Politik von Donald Trump. Und diese „Prinzipien“ sind derzeit „stilbildend“ auch für andere Organisationen und Politiker in der ganzen Welt. „Denke selbst, Sapere aude“ war eine Aufforderung an die Teilnehmer der Diskussion, sich nicht irritieren zu oder gar ängstigen zu lassen. Die Angriffe auf die NATO, die WHO, die UN und Europa haben Methode und können dabei helfen, aus einem schläfrigen Dämmerzustand aufzuwachen sich selbst in den „Hintern zu treten“.

Die „rosa Brille“.

Es macht keinen Sinn, die amerikanische Politik unter Parteienpolitik wie in Deutschland zu verstehen. In den USA gibt es (vielleicht gut?) keine Partei-Strukturen, die dafür sorgen könnten, dass die gewünschten Personen in Amt und Würden gelangen. Für die vielen 320 Millionen Bürger der USA sind ganz andere Kriterien von Bedeutung. Ein erklärtes Wahlversprechen von Trump war, die „politische Kaste“ in Washington zu eliminieren. Wir haben in Deutschland einen Parteienstaat, dem leider jede unternehmerische und freiberufliche Kompetenz fehlt.

„Das Recht der Gänse auf Bedeutung wird aus Sicht der Raubtiere überschätzt“

Die USA unter Trump legen keinen Wert auf sogenannte „Win-Win“ Situationen, stattdessen heißt die Strategie „Null-Null“ Situation. Was wir gewinnen, müssen andere verlieren. Die eigenen Interessen zu vertreten, sich nicht durch multilaterale Abkommen „knebeln“ zu lassen, das ist der Ansatz für „Amerika First“ und seinen narzisstischen Präsidenten.

„Fox for ever“

Ein Teilnehmer aus Deutschland berichtete über einen Selbsterfahrungsversuch. Währen seines Besuches in den USA informierte er sich in vierzehn Tagen ausschließlich über Fox News. Sein Weltbild bekam völlig andere Inhalte und könnte am Ende der Überzeugung sein, dieser Trump sei von Gott gesandt und feiert ausschließlich Erfolge. Die Wachstumsrate von aktuell 2,9 Prozent scheint dies zu bestätigen. Man dürfe deshalb das religiöse Fundament in den USA nicht übersehen oder ignorieren.

Qqo vadis – USA

Das konnte weder das Podium noch das Auditorium eindeutig beantworten. Aber es wurde klar, dass weder Ignoranz, Verurteilung oder deutsches Wunschdenken eine korrekte Beurteilung ermöglichen. Man sollte sich zuerst immer fragen: Worin hat Trump vielleicht recht? Ist Europa eigenverantwortlich genug? Sind wir nur „moralische“ Besserwisser? Ist ein Land mit unbegrenzter Geschwindigkeit auf den Autobahnen und den Dieselkriminellen der richtige Umweltmoralapostel? Warum immer mehr Staat und weniger Eigenverantwortung in Freiheit? In der Diskussion wurde deutlich, dass die Beurteilung des „Feindes“ sehr stark in einer Korrelation mit dem eigenen Selbstbild steht. Also mehr in den eigenen Spiegel schauen, ohne Überheblichkeit.

Peter Grabandt – Redaktion Initiative Wissen.