Redakteur Peter Grabandt zu Besuch auf dem Future Day am 6. Juni 2018 in Frankfurt/Main

Visionen
Visionen zu haben ist keine „Krankheit“ wie Helmut Schmidt seinerzeit behauptete. Im Gegenteil, aus Utopien werden Missionen, aus Prophezeiungen werden Purposes (Zwecke) und Visionen sind der Treibstoff für Menschen wie Steve Jobs oder Elon Musk.

Gerald Hüther
Der bekannte Neurobiologe, Gerald Hüther, beschrieb in seinem begeisternden Vortrag, wie das menschliche Gehirn funktioniert und wie man durch neue Erfahrungen den Botenstoff „Dopamin“ produzieren und glücklicher leben kann. Es ist uns kaum bewusst, dass unser Gehirn bis zu 40% unserer Energie verbraucht. Deshalb scheint es uns so, dass wir uns beim „Dösen“ oder „Nicht-Denken“ am wohlsten fühlen. Denn da fällt der Energieverbrauch unseres Gehirns auf unter 20%. Sogenannte „Probleme“ anzunehmen und zu lösen, die mentalen Strukturen neu zu konfigurieren und neue Bilder zu entwickeln, das kann zu den glücklichsten Momenten im Leben führen.

Wir können nicht allein
Mit diesem Satz machte Hüther einen weiteren Aspekt unseres Lebens deutlich: Der Mensch hat sich in den letzten 10.000 Jahren technologisch ständig weiterentwickelt. Menschlich, mental jedoch lebt er noch immer in einer hierarchisch, regressiven Welt hat. Dabei hat jeder Mensch alles nur mit und durch andere Menschen gelernt. Denken sie an die Eltern, die Lehrer, die Ausbilder und die Menschen, die „Helfer“ auf unserem Weg, die es gut mit uns meinten. Daher muss das Modell in Unternehmen, Organisationen und der Gesellschaft „Ko-operation“ heißen. Wir sind bereits mitten in dem Prozess der Auflösung der biologischen inneren Hierarchien, damit sich die Menschen wieder als Subjekte begegnen. „Wissen vermehrt sich durch Austausch“, so Hüther und das ist auch ein Motto dieses Berichtes der „Initiative Wissen“. In seinem aktuellen Buch „Würde“ beschreibt Gerald Hüther es so: „Eine Möglichkeit, um die Beschränktheit der eigenen Vorstellungen zu überwinden, bietet das Scheitern, oder die Begegnung mit anderen Menschen“. Quelle: Seite 80

Musik kann heilen
Zusammen mit der Violonistin Petra Zwille aus den Niederlanden wurde ein sehr interessantes Projekt vorgestellt. Musik als Therapie für demente Patienten und Verhaltensstörungen. Musik also in Krankenhäusern, Alten -und Seniorenheimen, Kindergärten oder Organisationen. Vom Stress zum „Tropical Island“ oder „Musik for life“ heißen die Kompositionen von „Musik in Hospitals“.

Factfulness
Von der Initiative Wissen schon häufig zitiert und erwähnt wurde der kürzlich verstorbene Hans Rosling auch im Vortrag von Harry Gatterer, dem Geschäftsführer des Zukunft Instituts in Wien. „Die Welt wird immer besser“ lautet das Credo von Hans Rosling, auch weil sich die Menschen humanistisch weiterentwickeln. Wenn im Jahre 1962 von einer Million Menschen nur 200 Besitzer einer Gitarre und es im Jahr 2014 immerhin 11.000 waren, so ist das ein Hinweis auf das veränderte Freizeit- und Bildungsverhalten.

Eine Vision kann man nicht erfinden
Wenn Elon Musk den Tesla baut und damit für eine Mars Expedition wirbt, bedeutet das, dass erfolgreiche Unternehmen ein Narrativ, eine Vision und Emotionen brauchen, um erfolgreich zu sein. Bei den Mitarbeitern müssen Stolz und Mitgefühl statt Angst, Leid und Scham freigesetzt werden.

Endlichkeits -und Knappheitsdenken
„Wir denken immer in bestehenden, begrenzten Rahmen“ sagte Matthias Horx und nannte als Beispiel das Thema Alter. Unsere Assoziationen mit Alter sind heute: Rente, Vergreisung, Krankheit, Pflege, Tod. Statt Weisheit, Reife, Ruhe, Ausgeglichenheit, Erfahrung, Gelassenheit oder Optimismus.

Als weiteres Beispiel nannte Horx die sog. „grüne“ Natur. Hier assoziieren wir Mangel, Angst, Mühe, Schuld und Verzicht. Die „blaue“, intelligente Ökologie muss sich mit Wandel, Fülle, Schönheit und Reichhaltigkeit beschäftigen. Hin zum „Füllhorn-Denken“ statt zu Knappheitsideologien. Die Zukunft gestalten und intelligente zukunftsbejahende Lösungen kreieren, statt permanenter Begrenzung.

Bester Hausbauer Deutschlands
Timo Leukefeld hat nicht nur das Haus von Matthias Horx umgebaut und modernisiert; als gelernter Förster und Installateur wird sein Denken auch von praktischen Erfahrungen geprägt. Seine provokative Frage „Welche Maßnahmen wollen wir in der Zeit nach der Digitalisierung ergreifen?“ wurde vom Publikum mit viel Humor begleitet. Das Schreckensszenario aller Hersteller ist seine Vision vom Hausbau ohne Haus- oder Gebäudetechnik. Bei einer Wandstärke von „neunzig“ Zentimetern entfällt die Notwendigkeit einer Heizung oder einer Kühlung, so Timo Leukefeld. Ein Architekt aus Österreich hat solche Häuser bereits gebaut. Die Temperaturen bewegen sich immer zwischen 22 – 26 °Celsius, ohne elektrische oder fossile Energie.

Fazit: Schon heute sollte man sich den Termin für den Futureday 2019 vormerken. Die Inspiration, die Ideen, der Mut, der frische Wind und das neue Denken bereichert jeden, der sich darauf einlässt, gegen den „Main Stream“ zu denken. Dieser Tag wird am 25. Juni 2019 wiederum in Frankfurt stattfinden.

Unter dem folgenden Link finden Sie Informationen zu dem kompletten Programm und zu einer Bilderstrecke der Veranstaltung.

https://futureday.network/rueckblick/impressionen-2018/

Peter Grabandt
Initiative Wissen