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Ausgabe 18 | November 2020

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Liebe Partner der Initiative Wissen,
liebe Leserinnen und Leser,

unseren wichtigsten Rohstoff, Wasser, nachhaltig zu schützen, ist eine große Herausforderung, der sich die Menschheit gegenübersieht. Um dieses Ziel zu erreichen, sind große Anstrengungen wissenschaftlicher, technischer und konzeptioneller Art erforderlich.
 Dazu gehört unter anderem nach erfolgreicher Rohstoffgewinnung eine optimale Nachnutzung. Voraussetzung hierfür ist, dass die entsprechend genutzten Flächen wieder verfüllt werden. Dass dafür erforderliche Material besteht im Sinne einer nachhaltigen Nachnutzung in der Regel aus Bodenaushüben und Abbruchmaterial.

Unsere duale Studentin, Rayen Njah studiert im sechsten Semester Wassertechnologie und hat vom 24.08.2020 bis zum 30.09.2020 ihre Praxisphase bei einem unserer Initiative Wissen Partner, dem Bayerischen Industrie Verband (BIV), erfolgreich absolviert. Dort konnte sie viele der im Studium erlernten Inhalte vertiefen. Einen Einblick über ihr dort erlerntes Wissen zum Verfüll-Leitfaden finden Sie im Folgenden.


Weitere Informationen zum BIV finden Sie zudem in der Broschüre "punktum.betonbauteile", welche Sie sich direkt hier herunterladen können:
Broschüre "punktum.betonbauteile – Ausgabe 5 / 2020" (PDF)

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Der Bayerische Industrieverband Baustoffe, Steine und Erde e.V. (BIV)

Der BIV wurde am 12. Dezember 1945 gegründet und besitzt heute 450 Mitglieder. Das Hauptziel des BIV ist die Sicherung mineralischer Rohstoffe und das Bauen mit heimischen Baustoffen in Bayern. Durch zahlreiche Veranstaltungen und Seminare informiert der BIV Mitglieder, interessierte Unternehmer und Privatpersonen regelmäßig über rechtliche Entwicklungen und stellt Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung. Der BIV kommuniziert die Interessen und Problemstellungen der Bau- und Rohstoffbranche nicht nur auf regionaler Ebene, sondern trägt diese Themen auch auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene in die zuständigen Gremien weiter. Zu diesen Gremien zählen beispielsweise Arbeitsausschüsse der übergeordneten Bundesfachverbände, technische Gremien der Normenausschüsse oder ministerielle Arbeitsgruppen. Ihr Wissen über den praktischen Umgang mit Gesetzestexten, wie dem Verfüll-Leitfaden oder der Bayerischen Kompensationsverordnung, nutzt der BIV, um seine Mitglieder in juristischen und bürokratischen Angelegenheiten zu beraten.

Der Verfüll-Leitfaden

Der Verfüll-Leitfaden regelt die Wiederverfüllung von Abgrabungsstäten in Bayern. Dabei werden die Verfüll-Standorte auf Grundlage ihrer Bodeninhaltsstoffe und ihres geologischen Charakters in bestimmte Kategorien unterteilt. Für die jeweiligen Sandortkategorien ist nur Verfüllmaterial mit den entsprechenden Zuordnungswerten zulässig.

Es gibt folgende Verfüllkategorien:
• N: Nassverfüllung
• T–A: Trockenverfüllung mit Verfüllmaterial bis Z 0 am Standort A
• T–B: Trockenverfüllung mit zulässigem Verfüllmaterial bis Z 1.1 am Standort B
• T–C: Trockenverfüllung mit zulässigem Verfüllmaterial bis Z 1.2 bzw. ggf. bis Z 2 am Standort C1 bzw. C2

Grundsätzlich gilt: Liegt der natürliche Hintergrundwert am Standort der Verfüllung über dem Grenzwert, können Böden mit Stoffgehalt bis zu diesen Hintergrundwert verfüllt werden.

Die Nassverfüllung

Bei der Nassverfüllung handelt es sich um die Verfüllung von Baggerseen, die im Zuge der Rohstoffgewinnung entstanden sind. Die Verfüllung ist nur im öffentlichen Interesse zulässig. Der Grundwasserschutz muss dabei stets gewahrt sein.
Die Nassverfüllung kann in zwei Bereiche unterteilt werden: der Nassbereich (N), der die gesättigte Grundwasserzone bis zum höchsten Grundwasserstand einschließlich der Sicherheitsschicht von 2m beinhaltet und der trockene Bereich (T-A), oberhalb des Nassbereichs. Das zugelassene Material für die Verfüllung im Nassbereich hat den Zuordnungswert Z.0. Hierunter fallen: örtlich anfallender Abraum, unverwertbare Lagerstättenanteile und unbedenklicher Bodenaushub ohne Fremdanteile. Bei der Verfüllung im Trockenbereich verwendet man in erster Linie Material mit dem Zuordnungswert Z.0, doch durch den Einbau einer zusätzlichen Grundwasserschutzschicht ist eine Aufwertung der Standortkategorie A nach B möglich, vorausgesetzt, dass keine wasserwirtschaftlichen und allgemein hydrogeologischen Gründe dem entgegenstehen. Nach der Aufwertung kann, statt dem vorherigen Z.0 Material jetzt Z1.1 Material verwendet werden. Hier handelt es sich um unbedenklichen Bodenaushub mit geringfügigen mineralischen Fremdanteilen.

Grundwasserschutz

Im Rahmen der Grundwasserüberwachung und im Sinne der Beweissicherung sind im Umfeld des Verfüllstandortes Grundwassermessstellen einzurichten. Das Grundwasser ist halbjährlich von einer sachkundigen Person zu beproben und aus chemischer und hydrogeologischer Sicht zu bewerten. Die Ergebnisse der Proben werden den Wasserwirtschaftsämtern vorgelegt. Ab Beginn der Abbautätigkeit bis zum Abschluss der Verfüllung müssen die Wasserspiegelhöhen aller Messstellen halbjährlich bestimmt und aufgezeichnet werden. Nach der vollständigen Verfüllung sollen die Untersuchungen noch 5-15 Jahre weitergeführt werden.

Rayen Njah / Dual Studierende der Wassertechnologie (Programm Think Twice)
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