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Ausgabe 4 | Februar 2020

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Wie können Unternehmen durch Dachbegrünungen auf den Klimawandel reagieren? Mit Fragen wie dieser beschäftigte sich Johannes Haus, dual Studierender der Wassertechnologie, im Zuge seiner Bachelor-Abschlussarbeit bei der HTI Gienger KG. Wie eine Begrünung von Dächern dabei urbanen Überflutungen entgegenwirken oder zur Abkühlung von überhitzen Innenstädten beitragen kann, lesen Sie in seiner Bachelorarbeit.

Der Einfluss von Dachbegrünungen

Im Abschlusssemester des Studiengangs Wassertechnologie (B.Eng.) der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf bekam ich die Möglichkeit, meine Bachelorarbeit bei der HTI Gienger im Unternehmen zu schreiben. Das Thema der Abschlussarbeit lautete: „Auslegung, Betrieb und Wirtschaftlichkeit einer Dachbegrünung im Vergleich zu einem konventionellen System am Beispiel des Neubaus des Handelszentrums der HTI in Röttenbach“.

In den letzten Jahren wurde der Einfluss des Klimawandels immer deutlicher. In Deutschland kommt es dadurch zu Starkregenereignissen und langen Trockenperioden. Städte sind durch ihren Aufbau in besonderem Maß von den Folgen betroffen. Gründe hierfür sind die hohe Bevölkerungsdichte, starke Oberflächenversiegelung und -erwärmung und Luftverschmutzung.
So kann es zu urbanen Sturzfluten kommen, bei denen große Mengen von Niederschlag in kurzer Zeit anfallen und aufgrund der hohen Oberflächenversiegelung zu Überflutungen führen können. Dies ist unter anderem im Jahr 2016 in Simbach am Inn aufgetreten und hatte dort katastrophale Folgen.

Aber auch die länger werdenden Trockenperioden stellen ein Problem für urbane Gebiete dar. Die Problematik der Urban Heat Islands, einer Störung und Aufheizung des städtischen Klimas, intensiviert sich und führt so zu einer Gefährdung der menschlichen Gesundheit. So lassen sich allein in Berlin 490 Todesfolgen, vor allem bei älteren Menschen, dem Hitzesommer 2018 zuordnen.
Es wird immer wichtiger, Lösungen für diese Problematik zu finden. Dies liegt zum einen am immer weiter fortschreitenden Klimawandel, zum anderen aber auch an der zunehmenden Urbanisierung, einhergehend mit dem demografischen Wandel.

Daher wurde bei Planung und Bau des Handelskontors darauf geachtet, nachhaltige Systeme zu integrieren, die das Potenzial bieten, Lösungen für die oben genannten Problematiken bereitzustellen. Eines dieser Systeme war die Installation einer Dachbegrünung, die im Vergleich zu einem konventionellen Flachdach betrachtet werden sollte, um etwaige Synergien zu finden. Diese Dachbegrünung ist in der nebenstehenden Abbildung auf dem Dach der HTI Gienger zu sehen.

Um den Einfluss von Dachbegrünungen im Vergleich zu konventionellen Flachdächern untersuchen zu können, wurden diverse Sensoren und Messeinrichtungen am und im Gebäude der HTI Gienger installiert: unter anderem zwei Lysimeter, eine Wetterstation und mehrere Temperatursensoren in den Räumen unter dem Dach. Die Messwerte aus diesen Systemen werden zentral in einer Datenbank gespeichert.

Die Analyse der Daten erfolgte anschließend im Handelszentrum der HTI in Röttenbach. Hier bekam ich einen eigenen Arbeitsplatz, der mit Laptop, Bildschirm und elektrisch höhenverstellbarem Schreibtisch ausgestattet war. Zudem wurde die Arbeit mit einem monatlichen Gehalt von 450 € honoriert.
Die Datenanalyse wurde mit besonderem Augenmerk auf Wirtschaftlichkeit und möglichen Einflüssen auf die kommunale Siedlungsentwässerung durchgeführt. Daraus konnten interessante Zusammenhänge und Wirkungen der Dachbegrünung abgeleitet werden. So reduziert sich der Anteil des abfließenden Wassers der Gesamtniederschlagsmenge in einem normalen Jahr von ca. 90 % bei der konventionellen Dachfläche auf lediglich ca. 50 % der Regenmenge bei einem Gründach. Durch diese große Rückhaltung von Regenwasser werden u. a. Kanäle deutlich entlastet. Dies ist im Hinblick auf die Problematik der urbanen Sturzfluten sehr interessant, da dadurch Abflussspitzen gekappt werden können, die sonst zu großflächigen Überflutungen und Schäden führen können.

Auch sind Dachbegrünungen beim Entgegenwirken der Urban Heat Islands sehr effektiv. Durch die Begrünung erhöht sich der Anteil des Regenwassers, der signifikant verdunstet. In Röttenbach verdunstete bei der konventionellen Dachfläche ca. 10 % des Jahresniederschlags, während beim Gründach ca. 50 % des Jahresniederschlags verdunstete. Jeder Liter Wasser, der nicht in den Kanal gelangt, verdunstet und entzieht der Umgebung Wärme, was zu einer Abkühlung der überhitzen Innenstädte führen kann.

Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit einer Dachbegrünung konnte berechnet werden, dass Begrünungen sich mit der Lebensdauer eines Gebäudes amortisieren und sogar Gewinne erzielen können. Dies liegt zum einen daran, dass die Dachabdichtung unter der Dachbegrünung geschützter ist und somit im Schnitt doppelt so lange hält, zum anderen an der Möglichkeit, Teile des Regenwasserentgeltes einzusparen, da deutlich weniger Wasser in den Kanal eingeleitet wird.

Aufgrund der oben genannten Gründe bin ich persönlich sehr von Dachbegrünungen überzeugt. Zudem kann ich mir gut vorstellen, zukünftig selbst in diesem Bereich beruflich aktiv zu werden.

Haben Sie interesse, die Bachelorarbeit zu lesen? Dann können Sie sie sich hier herunterladen.

Johannes Haus, dual Studierender der Wassertechnologie (Programm Think Twice)
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