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Ausgabe 8 | Juni 2019

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„Die haben bestimmt etwas auf dem Kerbholz!“

Klingt irgendwie nach Dieben, Verbrechern und Betrügern, oder? Die Redewendung bezieht sich auf das Kerbholz, ein Hilfsmittel bei der Buchführung in früherer Zeit. Aber ob der Japaner Satoshi Nakamoto (Pseudonym) ungefähr im Jahr 2008 bei der Erfindung der Blockchain-Technologie diese mittelalterliche Zahlungsweise vor Augen hatte? Doch das Prinzip ist das gleiche: Interaktionen und Zahlungsvorgänge zwischen Geschäftspartnern ohne eine zentrale Instanz dazwischen, wie beispielsweise eine Bank.

Vertrauen und Ehrlichkeit – und das im digitalen Zeitalter?

Wie schon im Mittelalter soll unter anderem vermieden werden, dass Mehrfachausgaben von (digitalen) Guthaben vermieden werden. Um einen Überblick über alle Transaktionen zu bekommen, schuf Nakamoto die Blockchain. Sie funktioniert nur, wenn mindestens zwei Drittel der Teilnehmer „ehrlich“ sind. Jeder Teilnehmer hat eine Kette von Blöcken, die identisch mit denen der anderen Netzwerkteilnehmer ist. Dadurch wird ein konsistentes Gesamtbild über das Guthaben aller Netzwerkteilnehmer ermöglicht. Und genauso war es eigentlich schon im Mittelalter.

Weil die meisten Menschen damals weder lesen noch schreiben konnten, gab es keine Quittungen, Schuld- oder Pfandbriefe. Also verwendete man ein zweiteiliges Kerbholz, in das man identische Kerben brannte, ritzte oder sägte. Gläubiger und Schuldner erhielten nun jeweils ein identisches Kerbholz. Wenn man diese einander gegenüberlegte, konnte man eindeutig identifizieren, dass die Geschäftspartner zusammengehörten – und diese konnten ihre jeweiligen Schulden oder Guthaben abgleichen. Nach der Bezahlung oder dem Abgleich wurden die Kerben herausgefeilt, die für die Bezahlung eines Guthabens verwendet wurden. Überwiegend standen die Kerben für Schulden, daher kam es zu der negativ konnotierten Formulierung, „etwas auf dem Kerbholz“ zu haben.

Und jetzt auch noch das: Smart Contracts im Bauwesen in Kombination mit BIM

Die Blockchain-Technologie besitzt das Potenzial, nach BIM die nächste revolutionäre Innovation in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu sein. Die Anwendungsfelder können sein: Grundbuchprozesse, Facility Management, Finanzierung, Mietermanagement. Die dafür erforderlichen Rechenleistungen stellen allerdings hohe Hürden, auch kostenseitig, dar. Früher oder später wird diese Rechenleistung aber zur Verfügung stehen. Also: Jeder rechnet mit jedem ab. Klingt doch zunächst ganz vernünftig.

Die sehr empfehlenswerte Literatur dazu:
Julian Hosp: „Blockchain 2.0 – einfach erklärt – mehr als nur Bitcoin“
Finanzbuchverlag, ISBN: 3959721595, 14,99 €

Wenn die Blockchain Hotelzimmer verteilt

Es ist wie mit der Quantenphysik: Vor hundert Jahren wurde das komplette physikalische Weltbild umgekrempelt. Die größte Revolution seit der Antike oder sogar der Menschheitsgeschichte. Doch die Auswirkungen auf unsere Denk- und Verhaltensgewohnheiten sind bis heute marginal. Fragen Sie jemanden, ob er weiß, dass es die „Wirklichkeit“ im eigentlichen Sinn nicht gibt, sondern dass alles ein Frage des „Betrachters“ oder des „Beobachters“ ist, werden Sie einen unter hundert finden, der dazu eine Antwort geben kann. So ist es mit allen neuen, bahnbrechenden Technologien gewesen und Blockchain steht wieder erst am Anfang. Blockchain und andere Innovationen bekommen in immer kürzerer Zeit ihre eigene Dynamik und werden unsere Gewohnheiten zwangsläufig herausfordern und verändern.

Lesen Sie hier den Artikel „Wenn die Blockchain Hotelzimmer verteilt“ von Wolfgang Herrmann, in dem er beschreibt, wie Elke Reichart, CDO und IT-Chefin der TUI Group, die digitale Transformation des Touristikkonzerns vorantreibt. Blockchain-Technologien spielen dabei eine wichtige Rolle.

Peter Grabandt / Redaktion Initiative Wissen
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